Hospiz Osnabrueck

Erfahrungsberichte


Ihr Lieben, nun habe ich euch schon einige Male besucht und merke, dass ich euch alle und vor allem dich, Sven, immer besser kennenlerne. Bevor ich euch begegnet bin, war ich noch recht unsicher und auch die ersten Besuche waren in mir stark von Fragen begleitet, wie: Wie wird Sven sich für mich öffnen? Sind wir auf einer Welle? Finde ich einen Zugang zu ihm? Wie „tickt“ die ganze Familie? Werden sie mich mögen und mir vertrauen können? Was erwarten seine Eltern von mir? Was finden sie vielleicht total daneben? … Diese und ähnliche Fragen gingen mir durch den Kopf.

Aber durch euer Verhalten mir gegenüber, durch eure Offenheit und Ehrlichkeit und auch, weil ihr mir Vieles erklärt und mir Rückmeldungen gebt, schwinden diese Fragen und Unsicherheiten von Mal zu Mal. Ich merke, dass ich mir bei euch Eltern einiges abgucken kann, denn ihr seid die Experten eurer Kinder. Keiner kennt eure Söhne so gut, wie ihr. Ich habe euch schon gesagt und ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal aufgreifen, dass ich euch, eure Stärke, eure Energie, eure Ruhe trotz Unruhe und eure tiefe Liebe zu Erik und Sven sehr bewundere. Was ihr leistet und den ganzen Tag und JEDEN Tag „reißt“, ist unvorstellbar. Umso mehr freue ich mich, dass ich euch jeden Dienstagnachmittag ein bisschen entlasten kann. Für mich war bislang die Zeit bei euch zusammen mit Sven und auch euch allen, eine sehr wertvolle und besondere Zeit. Besonders bist natürlich du, Sven. Ich finde es fantastisch, wie du auf unseren Spaziergängen immer wieder etwas findest, für das du dich interessierst. Gehen wir am Friedhof vorbei, erzählst du mir von deiner Freundin, deren Körper auf dem Friedhof beerdigt wurde.

Zur Feuerwehrwache machen wir immer einen Abstecher. Dann schauen wir uns durch das Fenster den großen Feuerwehrwagen an und du fragst, wo denn wohl die Schläuche versteckt sind. Gehen wir an Pferdewiesen vorbei, suchst du meist nach einem weißen Pferd, weil es dir besonders gut gefällt. Du hast so viel Energie und Power und immer wieder neue Ideen, was du noch erforschen und ausprobieren kannst. Da bist du oft viel schneller als wir Erwachsenen. Es ist schön, dass du so viel lachst und wenn du mich hin und wieder „veräppelst“, hast du ganz besonders deinen Spaß ☺ (und ich auch). Deshalb erzähle ich meinen Freunden und meiner Familie, wenn sie mich fragen, wie der Junge, den ich begleite, denn so ist, dass du ein richtiger „Sonnenschein“ bist. Neben deiner „Kraftseite“ erlebe ich in dir aber auch eine ganz sensible und feinfühlige Seite. Du nimmst Stimmungen genau wahr und wenn du dich ungerecht behandelt fühlst, wirst du sehr traurig. Da ist es für mich noch manchmal schwer zu verstehen, was dich bedrückt, aber wir lernen uns immer bes-ser kennen! Die Dankbarkeit für die ehrenamtliche Arbeit, die ich bei euch wahrnehme, trage auch ich in mir. Ich bin dankbar für die Chance, dich Sven und euch als Familie, auf eurem Lebensweg begleiten zu dürfen.

Ganz herzliche Grüße

Lisa

 

Erfahrungsbericht einer Begleitung

Wir sind zwei Ehrenamtliche des ambulanten Kinderhospizdienstes und begleiten
eine Familie mit zwei Kindern. P. ist ein 5-jähriges Mädchen und hatte einen Hirntumor,
der operativ beseitigt wurde, anschließend bekam sie Strahlentherapie und
z.Zt. läuft noch eine Chemotherapie. S. ist der 7-jährige gesunde Bruder, der auch unter
der gesamten Situation in der Familie leidet. Die Diagnose hat die Familie Ende letzten
Jahres völlig überfallen. Cosima und ich fahren seit März 2011 jede Woche für
ca. 3 Stunden zu der Familie. Cosima spielt mit P. d.h. sie basteln, malen, gehen
spazieren, lesen, besuchen Cosima's Pferd und reiten auch mal.
S. und ich spielen Fußball, buddeln im Sand, gehen am Bach fischen, fahren Roller,
lesen, kickern, toben, spielen auch mal Wii. Manchmal unternehmen wir auch zu viert
Ausflüge in den Wald. Die Kinder genießen diese verlässliche Zeit sehr, sie freuen sich
auf uns. Wir sind in ihren Augen einfach nur lustig und „normal“ zusammen, reden nicht
über Krankheiten, Blutwerte oder Therapien. Wir haben ein sehr vertrauensvolles
Verhältnis auch mit den Eltern aufgebaut. Sie wissen, dass Sie sich auf uns verlassen
können und empfinden diese 3 Stunden der Begleitung ebenfalls als ein Geschenk.
Diese „Arbeit“ macht - trotz des doch ernsten Hintergrundes - unheimlich viel Spaß und
bringt auch Cosima und mir viele neue Aspekte. Wir fahren gerne in die Familie.
Da wir zu zweit sind, können wir uns auch gut über die Begleitung austauschen.
Außerdem können wir jederzeit die Koordinatorin Tanja Wille anrufen.

Cosima Hünefeld und Susanne Otto


Erfahrungsbericht einer Mutter

Wir sind eine Familie mit drei Kindern im Alter von 5, 8 und 11 Jahren. Aufgrund der schweren Erkrankung unserer 8-jährigen Tochter M. im Frühjahr 2014 hatten wir durch Hinweise von Freunden und Nachbarn  Kontakt zum Ambulanten Kinderhospizdienst Osnabrück aufgenommen. In erster Linie ging es uns zunächst um Beratung und Hilfestellung in unserer so plötzlichen Notsituation. Nach der ersten Hemmschwelle des Anrufes fühlten wir uns jedoch sofort verstanden und erleichtert, dass nun jemand da ist, der unsere Lage versteht, zuhört und hilft. Nach kurzer Zeit bekamen wir zwei ehrenamtliche Begleiterinnen, die sich seitdem hauptsächlich um die Geschwister kümmern, wenn einer von uns mit M. im Krankenhaus ist. Es ist toll zu erfahren, dass es Menschen gibt, die ehrenamtlich in ihrer Freizeit neben Job, Familie… sich Zeit für andere Familien gerade in solchen Situationen nehmen. Bewundernswert!!

Die beiden Ehrenamtlichen kommen in regelmäßigen Abständen, Termine werden je nach Situation abgestimmt, Ideen bringen sie mit oder lassen sich von den Kindern überraschen und inspirieren. Die beiden Begleiterinnen gehören mittlerweile dazu. Alle freuen sich und verbringen eine schöne, unbeschwerte Zeit miteinander.

Nach einiger Zeit hatten wir dann das Glück auch noch Frau Steinhaus von „Musik auf Rädern“ kennenzulernen. Sie ist eine Musiktherapeutin, die ebenfalls über den Ambulanten Kinderhospizdienst zu uns kam. Besonders in der Anfangszeit war es eine enorme Erleichterung für uns alle, da sie ausschließlich zu Hause die Kinder musiktherapeutisch begleitet und M. das Haus sowieso nicht verlassen konnte. Des Weiteren hatte M. einen „Termin“, was sehr wichtig war, da sie nicht zur Schule gehen konnte und die Tage und Wochen zu Hause lang wurden (nicht nur für sie, auch für mich). Ich war dementsprechend auch einfach nur dankbar, dass jemand für diese Zeit da war, der sich kümmerte und mich entlastete.

Frau Steinhaus ist jeweils 60 Minuten (meist alle 2 Wochen) bei uns in der Familie. Sie fährt mit ihrem großen, roten Auto vor, das bei den Kindern schon Begeisterung auslöst und sie von weitem erkennen lässt. Beim Ausladen ihres Equipments wird einem klar, dass so ein großes Auto schon von Vorteil ist. J Sie hat ganz viele Ideen, bringt immer neue Instrumente, Kostüme, Spielsachen, Lieder usw. mit, so dass es für die Kinder interessant bleibt.  Es ist schön zu sehen, wie unkompliziert sie sich in die Familie und die Situation eingefügt hat.  Freunde der Kinder können spontan ebenso mitmachen wie die Geschwister selbst. Es wird getrommelt, gesungen, ein Theaterstück geprobt, Kostüme übergezogen, neue Instrumente ausprobiert, gemalt, gesungen, erzählt…. Sie hat immer Ideen, nimmt aber auch gerne Ideen der Kinder auf, selbst wenn diese sie schon wieder vergessen haben. Auch für mich ist es schön zu sehen, mit welchem Eifer alle dabei sind.

Frau Steinhaus ist bis heute noch bei uns, wobei die Abstände größer werden, da sich der Gesundheitszustand meiner Tochter sehr gebessert hat. M. hat übrigens über Frau Steinhaus den Weg zur Musik gefunden und spielt mittlerweile Klavier.

 

Mehr über die Musiktherapie von Frau Steinhaus von Musik auf Rädern erfahren Sie hier.

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