Hospiz Osnabrueck

Erfahrungsberichte Betroffener

Ein Platz im stationären Hospiz war meiner Mutter bereits sicher, doch sie wollte ihn nicht annehmen. Dass ich – und wohl auch unsere Familie – es als Erleichterung und auch Beruhigung gesehen hätten, sie dort unterstützt zu wissen, haben wir ihr so deutlich nie gesagt. War es doch viel zu wichtig für sie, selbstbestimmt im eigenen Zuhause zu sein und das eigene Leben so weiterführen zu können wie bisher.

Der ambulante Hospizdienst und vor allem auch die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, Hospiz, Palliativteam und Pflegedienst war ein Geschenk für meine Mutter. Es ermöglichte ihr tatsächlich noch mehrere Wochen in ihrer eigenen Wohnung. Als sie sich doch entschloss, ins stationäre Hospiz zu gehen, blieben nur noch Stunden. Dennoch war die Entscheidung für sie richtig – ich hatte sie kurz nach ihrem Einzug danach gefragt –  und ermöglichte uns als Familie eine Form des Abschieds, die es sonst nicht gegeben hätte.

Ihre erste Begegnung mit der ehrenamtlichen Begleiterin  verlief sehr zögerlich und zurückhaltend. Dennoch hat diese  ganz offenbar den richtigen Ton gefunden und es geschafft, meiner Mutter so nahe zu kommen, dass sie ihr tatsächlich eine große Hilfe sein konnte. Die freiwillige Mitarbeiterin half bei Alltäglichem, dem Abwasch, dem Gang zum Geldautomaten, den sie selbst nicht mehr schaffte. Kochte manchmal eine Kleinigkeit und war einfach da. Sie durfte sich kümmern. Etwas, das wir als Familie, die weit entfernt lebt, nicht leisten konnten und nach dem Wunsch meiner Mutter wohl auch nicht sollten. Sie wollte niemanden mit ihren Sorgen und Problemen belasten und war doch dankbar für die Unterstützung durch uns und durch die Begleiterin des Ambulanten Hospizdienstes.

Dem Team des Osnabrücker Hospizes ist es gelungen, bei aller Zurückhaltung, die meine Mutter gegenüber den Unterstützungsangeboten hatte, ein Netzwerk zu schaffen, das ihr tatsächlich zur Seite stand. Zugleich halfen die Mitarbeiter des Hospizes auch uns, die wir so weit weg waren. Zum einen mit einem offenen Ohr und einer unterstützenden, aber auch einer mahnenden Stimme: Bei all meinen und unseren Wünschen, wie meiner Mutter geholfen werden könnte und was zu tun sei, waren sie immer auch Anwalt für sie und halfen mir dabei, meiner Mutter ihren Weg zu lassen.

Dass der Moment des Abschiednehmens so schnell kommen würde, damit hatte die ehrenamtliche Kraft, damit hatten auch wir nicht gerechnet. Die Mitarbeiter des Hospizes hatten es aber so früh erkannt, dass ein Teil unserer Familie noch nach Osnabrück fahren und meine Mutter in den letzten Minuten begleiten konnte. Ich hatte leider nicht die Möglichkeit, bei ihr zu sein, konnte aber das Hospiz einige Wochen später besuchen und mich so noch einmal verabschieden. In den ersten Stunden nach ihrem Tod haben sich die Mitarbeiter um unsere Familie gekümmert, sie wurde einbezogen in alles, was zu tun war und ihr Zimmer wurde für einige Stunden zum Abschiedsraum.

Auch über den Tod meiner Mutter hinaus habe ich Kontakt zum stationären Hospiz, aber auch zur ehrenamtlichen Begleiterin. Ich bin dankbar für die Unterstützung, die wir erfahren haben und immer noch erfahren und freue mich, dass auch dort noch an sie gedacht wird. 

H.B.

 

 

 

Vor ungefähr 7 Jahren diagnostizierten die Ärzte bei meiner Schwester einen etwa
bohnengroßen Tumor in der Brust. Was zunächst als harmlos geltender Tumor-Typ
befundet wurde, stellte sich nach mehreren Untersuchungen als ein Karzinom
aggressivster Art dar.
Es folgten die üblichen Behandlungen: Tumor-Entfernung, Chemotherapie mit anschließender Bestrahlung der Brust. Doch schon nach wenigen Monaten tastete man erneut Knoten
in der Brust mit Lymphknotenbeteiligung. Die Brust wurde amputiert, Lymphknoten entfernt
und anschließend aggressive Chemotherapie und Bestrahlung. Und so sollte sich das
Martyrium einige Jahre fortsetzen: Metastasen an den Rippen, in der Lunge, im
Wirbelkanal und zuletzt in der Leber.
In den letzten Monaten ihres Lebens war meine Schwester querschnittsgelähmt. In all den
Jahren ihrer Krankheit hat sie kaum geklagt, angeklagt, rebelliert, geschweige denn ihrem
Zorn und ihrer Angst Ausdruck gegeben. Der Ehemann hat immer wieder deutlich gemacht,
dass er die Kinder nicht allein würde versorgen können und er mit ihnen nicht allein
gelassen werden wollte. Die Kinder ahnten, wie schwer krank ihre Mutter war, aber es
konnte nicht ausgesprochen werden. Wir als Geschwister waren nicht in der Lage zu
sagen: „Du wirst bald sterben. Du musst mit Deinem Mann und vor allen Dingen mit Deinen
Kindern reden“. Denn auch wir wollten sie nicht gehen lassen.
Aus dieser Not heraus habe ich (mit Einverständnis meiner Schwester) im Osnabrücker
Hospiz angerufen. Es wurde uns sofort Hilfe angeboten in Form von ambulanter
Begleitung, denn die letzten Wochen ihres Lebens wollte meine Schwester zu Hause
verbringen. Da war nun jemand, der einfühlsam und mit höchster Sensibilität mit meiner
Schwester über das Thema Sterben und Tod ins Gespräch kommen konnte und dem
Ehemann die Dringlichkeit bewusst machte, offen mit den Kindern zu reden. Das alles
wäre für uns als Angehörige nicht möglich gewesen. Dafür danken wir dem Osnabrücker
Hospiz e.V. und auch für die auffangenden Gespräche in der Zeit der tiefen Trauer
um unsere Schwester.

Erfahrungen einer Schwester