Hospiz Osnabrueck

Motivationsaussagen ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen

Am Anfang stehen Fragen: Auf was lasse ich mich da ein? Werde ich von der zu
begleitenden Person akzeptiert? Oder stimmt die Chemie ganz und gar nicht? Dann auch:
Kann ich mir vorstellen, diesen Menschen zu begleiten? Diese Voraussetzungen müssen
stimmen. In der letzten Phase des Lebens sollte man schon von einem Menschen begleitet
werden, der einem sympathisch ist. Nur dann kann es für beide eine reiche und erfüllte Zeit
werden.
So habe ich es erlebt.
Eine über 70jährige Frau durfte ich fast ein halbes Jahr begleiten. Einen Nachmittag in der
Woche verbrachte ich bei der Frau, die verwitwet war und allein in ihrer Wohnung lebte
und auch einigermaßen zurechtkam. Wir unterhielten uns, ich las aus der Zeitung vor,
schließlich begannen wir, ein Buch zu lesen. Und ganz unmerklich wurden unsere
Nachmittage auch für mich immer reicher. Frau W. erzählte mir aus ihrem Leben. Meine
Hauptaufgabe war zuhören. Wer von den Angehörigen nimmt sich dazu die Zeit? Und
dann zeigt sich, dass man viel eher geneigt ist, sich einer unbeteiligten Person zu öffnen.
Einiges konnten wir gemeinsam aufarbeiten, vor allem auch durch einen gelegentlichen
Perspektivwechsel.
Besonders erfreulich war es für mich, gegenseitiges besseres Verstehen bei Frau W.
und ihren Angehörigen zu erreichen. Die letzten Wochen verbrachte Frau W. im stationären
Hospiz. Dort habe ich sie weiter begleitet und noch wichtige Dinge mit ihr besprechen und
regeln können. An die Zeit dieser Begleitung denke ich noch immer dankbar zurück, vor
allem an die ungestörten Nachmittage in ihrer Wohnung.

Ilse Cordes




Ich freue mich sehr, an dieser Stelle etwas über meine Arbeit im ambulanten
Hospizdienst erzählen zu dürfen. Damit die sterbenden Menschen auch zu Hause gut
umsorgt und gepflegt werden können, gibt es uns ehrenamtliche Kräfte. Im Gegensatz zur
stationären Aufnahme ist unser Einsatz schon viel früher möglich. Wenn alle persönlichen
Daten und individuelle Wünsche der Betroffenen aufgenommen sind, wird nach einer
passenden Ehrenamtlichen gesucht und dann klingelt vielleicht bei mir das Telefon. „Ich
habe hier eine Begleitanfrage, kannst Du Dir vorstellen dort einzusteigen?“ Nach einer
telefonischen Verabredung und mit der Adresse in der Hand geht es dann los. Man steht
vor einer Haustür und es ist, auch nach zehn Jahren, noch immer sehr bewegend. Für die
Betroffenen ist es ja auch nicht immer einfach in so einer Lebenssituation die Hilfe eines
Fremden anzunehmen.
Für mich ist es dann immer wieder ein unbeschreibliches Gefühl zu erleben, wie das
„fremdsein“ abfällt, weil die Menschen spüren, dass da jemand ist der einfach helfen
möchte. Die Aufgaben, die einen dort erwarten, können ganz unterschiedlich sein.
Ich habe erlebt, dass es für den einen das Schönste ist, etwas vorgelesen zu bekommen,
während es für den anderen ganz wichtig war, darüber zu reden, was nach dem Tod aus
der Familie wird. Auch Erlebnisse und Erinnerungen aus dem Leben machen manchen
doch sehr zu schaffen und es hilft ihnen, wenn sie darüber sprechen können.
Den pflegenden Angehörigen ist es eine unheimliche Erleichterung, dass jemand kommt
und sie einfach mal in Ruhe einkaufen gehen können, oder einen Spaziergang zu machen,
ohne den erkrankten Menschen allein zu lassen und ein schlechtes Gewissen haben zu
müssen. Viele können sich dann auch mal alles von der Seele reden, weil sie wissen, dass
nichts davon nach außen dringt, da wir alle unter Schweigepflicht stehen und
diese sehr ernst nehmen. Wir können dem Leben zwar nicht mehr Tage geben – aber den
Tagen mehr Leben. Und das versuchen wir. Und wenn jemand sagt „Gut dass es sie gibt“ –
gibt es da etwas Schöneres?

Beatrix Langen