Hospiz Osnabrueck

Presse / Medien

NOZ 16.02.2016


Altenheime und Hospiz arbeiten in Osnabrück zusammen



"Spende für die Menschlichkeit"


Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 08.12.2015
Autor: Alexander Adams
Foto: Michael Gründel

 






Zuhause. Leben bis zuletzt.
(Audiobericht MP3)


NOZ-Bericht v. 20.08.2015 "Grünebaum"




OS 1 TV:

Interview zur Arbeit der ehrenamtlichen Begleiterinnen (Video)





 
Hospizkultur wird Teil
des Alltags in Altenhilfeeinrichtungen des Diakoniewerks Osnabrück

30 % aller Menschen in Deutschland versterben in Altenheimen, Tendenz
steigend.
Diese hohe Zahl an Sterbenden in Pflegeeinrichtungen beschreibt eine
neue Entwicklung und lässt erahnen, welchen massiven strukturellen Wandel die Häuser der stationären Altenpflege im Laufe des letzten Jahrzehnts zu bewältigen hatten und haben. Da es vielen alten Menschen durch die medizinischen Möglichkeiten und ambulanten Versorgungsstrukturen gelingt, den Zeitpunkt eines Umzugs in ein Heim zu verzögern, wurden die Häuser zunehmend Wohnorte von hochbetagten, schwerkranken oder stark betreuungsbedürftigen Menschen. Die durchschnittliche Verweildauer liegt inzwischen unter vier Jahren; die Begleitung sterbender Menschen wird dadurch zu einem immer stärkeren Aspekt der pflegerischen Betreuung.

Die beschriebene Entwicklung wird auch im Ambulanten Hospizdienst
anhand des stetig steigenden Wunsches nach ehrenamtlicher Unterstützung in der letzten Lebensphase in Institutionen der stationären Altenhilfe deutlich. Aus diesem immensen Bedarf heraus, entstand bereits in 2011 eine Kooperation zwischen dem Diakoniewerk Osnabrück und dem Osnabrücker Hospiz e.V., um eine weitreichende Implementierung einer hospizlichen Kultur innerhalb ihrer Institutionen zu erreichen. „Das Küpper-Menke-Stift an der Sedanstrasse in Osnabrück nimmt innerhalb dieser Entwicklung eine Vorreiterstellung ein“, macht Frau Sabine Weber, Geschäftsführerin im Diakoniewerk Osnabrück und Vorstandsmitglied des Osnabrücker Hospizvereins, deutlich. Die Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen ist zu einer wichtigen Säule innerhalb ihrer Pflegeeinrichtung geworden, was sich nicht zuletzt auch darin äußert, dass das Haus über eine palliative Fachkraft verfügt. Frau Mathilde Hohmann trägt dafür Sorge, dass neben dem Schmerz und medizinischen Symptomen auch die psychischen und spirituellen Belange der Bewohner in der letzten Lebensphase erkannt werden. So fällt es auch unter ihren Aufgabenbereich, um die Unterstützung durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen beim Osnabrücker Hospizvereins anzufragen.

Auch wenn diese Hilfe großen Anklang in den Häusern erfahren hat, wurde
von beiden Seiten immer wieder festgestellt, dass es Besonderheiten und
spezielle Fragen innerhalb der Begleitungen im Altenheim gibt und den
Wunsch diesen zu entsprechen. Aus diesem Impuls heraus entstand die
Idee, ein Aufbaumodul zur Qualifizierung Ehrenamtlicher zu entwickeln,
dass durch beide Institutionen getragen, ausgearbeitet und gelebt wird.
Seit Anfang 2012 liefen die Vorbereitungen von Ellen Hassolt und Anja
Olef, Koordinatorinnen des Ambulanten Hospizdienstes, die sowohl die inhaltlichen Ausarbeitungen, als auch die Referenten- und Teilnehmersuche betrafen. Zu ihrer großen Freude startete am 09. November das Pilotprojekt „Qualifizierung Ehrenamtlicher zur Begleitung in der Altenhilfe“. An drei Wochenenden und in insgesamt 35 Stunden beschäftigten sich
zwölf bereits geschulte und erfahrene ehrenamtliche MitarbeiterInnen mit
der besonderen Lebenssituation Sterbender in Altenheimen. Fragen, die
in diesen Institutionen vermehrt auftreten, wurden in den Blick genommen, wie z.B. Art und Verlauf der vorhandenen Krankheitsbilder und der Umgang mit dementiell erkrankten Menschen. Darüber hinaus sollte aber auch Raum für den Umgang mit Langzeitpflegebedürftigkeit und Möglichkeiten der Bewältigung von akuten Sitzwachen am Sterbebett Beachtung finden.
Auch die Schwierigkeiten, die sich innerhalb der unterschiedlichen Rollenerwartungen zwischen ehrenamtlichen Mitarbeitern und Pflegekräften ergeben, wurden mutig bearbeitet, um erste Schritte zur Lösung dieser zu gehen und die vorhandenen Ressourcen zu erkennen.

„Die vielfältigen Herausforderungen in der Sterbebegleitung in Einrichtungen der stationären Altenhilfe, haben mich inspiriert, an dem Fortbildungsangebot teilzunehmen“, beschreibt Marianne Dörenkämper ihre Motivation.
Sie engagiert sich seit vielen Jahren in der ambulanten Begleitung sterbender Menschen und kennt die speziellen Fragen und Schwierigkeiten in der häuslichen Umgebung und im Altenheim.
Die geäußerte Hoffnung auf neue Erfahrungen und einen regen Austausch
innerhalb des Kurses wurden nicht enttäuscht. „Ich habe vielfältige, für die ehrenamtliche Tätigkeit wertvolle Informationen erhalten. Insbesondere der Austausch der Teilnehmer über bereits gesammelte Erfahrungen in Begleitungen und die Gruppenarbeiten waren essenziell geprägt von Offenheit, guter Zusammenarbeit und Wertschätzung“, macht Frau Dörenkämper weiter deutlich „Das Festhalten an gemeinsam erarbeiteten Visionen zur hospizlichen Begleitung einte uns. Ich ging gestärkt und beseelt aus der Fortbildung im Kloster Ohrbeck heraus.“

Abschließend darf gesagt werden, dass die Zusammenarbeit von stationärer Altenhilfe und ambulantem Hospiz für die Menschen in der Region eine erhebliche bundesweit vorbildliche Verbesserung der Versorgung am Lebensende mit sich bringt.





NOZ 12. Juli 2014
anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Osn. Hospiz e.V.

Osnabrück. Einen „Kurs fürs Leben“ nennt Ruth Bublies die Qualifizierung zur ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleiterin. Sie hatte „so viele Fragen“ zum Umgang mit Sterbenden und dachte: „Da muss ich doch Rezepte bekommen.“ Rezepte gab es nicht, dennoch weiß sie jetzt, wie sie Menschen bei den letzten Schritten in deren Leben begleitet.

Vor 20 Jahren, am 11. Juli 1994, wurde der Osnabrücker Hospizverein von 15 Bürgerinnen und Bürgern der Stadt gegründet. Ziel war es, ein stationäres Hospiz zu gründen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits der erste Qualifizierungskurs für ehrenamtliche Sterbebegleiter gelaufen. Die ambulante Begleitung Sterbender zu Hause ist seitdem die größte Aufgabe des Vereins.

Ellen Hassolt, leitende Koordinatorin für die Ehrenamtlichen im Hospiz, spricht von rund 100 Begleitungen und 40 Trauerbegleitungen für Angehörige im Jahr. Einige dauern wenige Tage, andere laufen über Monate. Dafür stehen 110 qualifizierte Ehrenamtliche bereit, darunter neun Männer. Hassolt freut sich, dass sich immer öfter jüngere Menschen für das Ehrenamt entscheiden.

Richtigen Ton gefunden

So wie Ruth Bublies. Die medizinische Fachangestellte kommt beruflich im Krankenhaus oft mit Sterbenden zusammen und wollte einfach mehr wissen über den Umgang mit Sterbenden und den Tod. „Ich weiß nicht, ob ich das später machen kann“, warnte die 45-Jährige im Vorfeld der Qualifizierung. Sie kann, wie sie inzwischen bei verschiedenen Begleitungen gezeigt hat.

„Ihre erste Begegnung mit der ehrenamtlichen Begleiterin verlief sehr zögerlich und zurückhaltend“, schreibt die Mutter einer Verstorbenen in einem Dankesbrief. „Dennoch hat diese ganz offenbar den richtigen Ton gefunden und es geschafft, meiner Mutter so nahezukommen, dass sie ihr tatsächlich eine große Hilfe sein konnte... Sie durfte sich kümmern. Etwas, das wir als Familie, die weit entfernt lebt, nicht leisten konnten und nach dem Wunsch meiner Mutter wohl auch nicht sollten. Sie wollte niemanden mit ihren Sorgen und Problemen belasten.“

Jede Begleitung ist anders, sagt Angelika Schenk, die sich seit 2003 im Osnabrücker Hospiz engagiert. Beim ersten Besuch achte sie genau darauf, was der Familie guttun könnte. „Manchmal will ein Sterbender noch etwas Belastendes bei einem Außenstehenden loswerden, um niemanden in der Familie damit zu verletzen“, berichtet sie aus ihren Erfahrungen. Manchmal brauchen die Angehörigen ihre Hilfe.

Passende Begleitung

Davon zeugt eine weitere Aussage aus dem oben zitierten Brief einer Tochter: „Bei all meinen und unseren Wünschen, wie meiner Mutter geholfen werden könnte und was zu tun sei, waren sie (die Mitarbeiter des Hospizes) immer auch Anwalt für sie und halfen mir dabei, meiner Mutter ihren Weg zu lassen.“

Der erste Kontakt zwischen Familie und Hospiz läuft über Ellen Hassolt. Die Sozialarbeiterin und examinierte Krankenschwester hat die Aufgabe, jeder Familie die passende ehrenamtliche Begleitung an die Seite zu stellen . Zugleich muss sie darauf achten, dass sich die Ehrenamtlichen nicht übernehmen oder durch die Situation der Sterbenden übermäßig belastet werden.

„Ich lerne auch für mich“

Angelika Schenk hat für sich ein Ritual bei den Hausbesuchen entwickelt: „Ich öffne und schließe ganz bewusst die Haustür.“ Dadurch konzentriere sie sich auf ihren Einsatz und schließe nach einer Stunde damit ab. Die 60-Jährige hat ihre Qualifikation erweitert und kann nun auch Sterbebegleitung in Alten- und Pflegeheimen anbieten. Auch da bietet der Hospizverein auf Initiative des Diakoniewerkes seit zwei Jahren seine Dienste an. Schenk nennt ihr Ehrenamt „eine sinnvolle und wichtige Arbeit“ und fügt an: „Ich lerne auch für mich.“




Ellen Hassolt
leitende Koordinatorin im Hospiz

 

Angelika Schenk
Ehrenamtliche seit elf Jahren

 



Ruth Bublies
Ehrenamtliche seit 2001

 

Sabine Weber
vom Hospizvorstand



Fotos: Gert Westdörp